Galerie Tanja Wagner

GALERIE TANJA WAGNER Berlin.

Pressetext

deutsch.   english.


 





Annabel Daou
come back to the war


Eröffnung: 21. Januar 2012, 18 – 21 Uhr.



Ausstellung: 21. Januar - 3. März 2012.

Galerie Tanja Wagner zeigt come back to the war, die erste Einzelausstellung der libanesisch-amerikanischen Künstlerin Annabel Daou in Deutschland.

In ihrer Arbeit untersucht Daou den Schnittpunkt von Sprache, Kultur und unserer politischen Realität. Ihre Arbeiten entstehen hauptsächlich auf handgeschöpftem Papier, auf denen ihre Handschrift und Markierungen konzeptuelle Karten formen. Sie umfassen keine geographischen Gebiete sondern erschaffen Grenzen und Räume ohne topografische Unterschiede. Daou greift physisch in die Oberflächen ihrer Arbeit ein, indem sie das Papier zerreißt und es mit Gesso und Klebeband wieder repariert. Ihre Schrift ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Papierstücken, oft phonetisch transliteriert vom Englischen ins Arabische.

come back to the war: Menschen scheinen immer wieder an bestimmte Orte oder Situationen des Kampfes zurück zu kehren. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf das Engagement mit und die Anziehung zum Konflikt sei es ein politischer Konflikt oder ein Konflikt zwischen Menschen und Situationen oder sogar der zwischen Künstler, Betrachter und dem Werk selbst. In Arbeiten wie the lines are drawn und the fight is fixed spielt der Titel mit der wörtlichen Bedeutung und den visuellen oder konzeptuellen Möglichkeiten, die sich durch Sprache eröffnen. In no man´s land erforscht Daou die Leere zwischen dem geschriebenen Wort und dem Akt des Schreibens. Mit einem roten Federkiel schreibt sie auf die Oberfläche des Papiers und bläßt gleichzeitig die Tinte wieder weg.

from where to where ist eines der zentralen Stücke der Ausstellung. Das Projekt entstand über einen Zeitraum von zwei Monaten, die Daou zwischen New York und Beirut verbrachte - ihre erste Reise zurück in den Libanon nach dem Verlassen ihrer Heimat. Die Arbeit setzt sich zusammen aus den englischen und arabischen Antworten von Fremden, denen die Künstlerin auf der Reise begegnete und denen sie folgende Fragen stellte: Where are you now? Where are you coming from? und Where are you going to? Der Titel des Stückes from where to where ist eine wörtliche Übersetzung eines arabischen Ausdruckes, der lautet Wie kannst du es wagen? Diese Frage ist zentral für diese Arbeit, die als Untersuchung verstanden werden kann, wie Identität behauptet, untergraben und/oder rekonstruiert wird – im ständigen Austausch zwischen Standort und Geistesverfassung.

from where to where wurde als amerikanischer Beitrag zur 12. Jährlichen Cairo Biennale gezeigt, zwei Wochen vor dem Ausbruch der Januar Revolution. Während des Aufstandes blieb die Arbeit im Palast der Künste in Kairo. In Kriegszeiten dienen Hotels oft als Unterschlupf für Journalisten und Menschen auf der Durchreise, um der gewalttätigen und unruhigen Zeit auszuharren, ebenso ist diese Arbeit im Transit entstanden. Sie bescheinigt Daous eigene Anwesenheit während sie von ihrer heutigen Heimat zu ihrer letzten reiste. Der Refrain I´m here, I´m here, der auf dem Papier zu lesen ist wird in unerwarteter Weise von der Stimme der Demonstranten auf dem Tahrir Platz wiedergespiegel, die in erster Linie um ihre eigene Anwesenheit kämpfen.

from where to where wurde auf der Kairo Biennale 2011 mit dem Biennale Award ausgezeichnet.

Ein Künstlergespräch mit Annabel Daou und Schriftsteller David Markus findet am Sonntag den 22. Januar um 15 Uhr statt.

Annabel Daou geboren und aufgewachsen in Beirut, Libanon, zog 1999 nach New York.

Zu ihrem letzten Ausstellungen zählen: 12. Kairo Biennale (Beitrag der U.S.), On the Mark: Contemporary Works on Paper, The Baltimore Museum of Art, Baltimore (2010); Close Encounters 2, The Nathan Cummings Foundation, New York (2010); Political/Minimal, Kunstwerke, Berlin / Muzeum Sztuki w Lodzi, Lodz, Polen (2008/2009); knot, David Winton Bell Gallery, Brown University, Providence (2009); New York New Drawings 1946-2007 im Museo de Arte Contemporaneo Esteban Vicente, Segovia, Spain (2009); Democracy in America, The Park Avenue Armory, New York (2008)


Nächste Ausstellung: Discussing metamodernism. – eine Gruppenausstellung in Zusammenarbeit mit Timotheus Vermeulen und Robin van den Acker. 17. März - 21. April 2012